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Kreuz und quer statt elitär

Geschrieben von: Jens Borghardt
Mittwoch, den 18. November 2009 um 20:12 Uhr

In Halle hat sich das deutschlandweit einzige Crossgolf Damen-Team zusammengefunden. Sie spielen den grünen Sport nach ihren Regeln.

Girls Crossing, Deutschlands einziges Crossgolf Damen-Team„Spaziergänger bleiben staunend stehen, aber angesprochen werden wir nicht“, sagt Janet Reinhardt. Was sie und ihre drei Freundinnen da Woche für Woche auf der Peißnitz in Halle tun, ist für diesen Ort einfach ungewöhnlich: Sie spielen Golf. Der nächste Golfplatz ist aber meilenweit entfernt und der Rasen wird hier nicht mit der Nagelschere geschnitten. Genau das gefällt den Damen jedoch, denn sie spielen Crossgolf. Dabei tragen sie karierte kurze Röcke mit den dazu passenden Kappen. „Golf kommt ja ursprünglich aus Schottland“, erklärt Annekathrin Tews. „Da liegt das mit den Karos auf der Hand.“ Verstanden. Aber, was bitteschön ist Crossgolf?

Crossgolf ist Golf, aber ohne den Elite-Stempel: Gespielt werden kann fast überall, in alten Tagebaugruben, verlassenen Industriegebieten oder eben in der Stadt. „Ein urbaner Fun- und Trendsport - weder so elitär noch so teuer wie klassisches Golf.“ Wenn Janet - Spitzname Diva - so etwas sagt, sieht man, dass sie es ernst meint mit dem Funsport. Und die Buchhalterin muss es wissen: Früher hat sie es klassisch versucht. „Aber querfeldein macht einfach mehr Spaß.“ Darum geht es beim Crossgolf zu allererst. Außerdem muss man mit möglichst wenigen Schlägen ein vorher ausgemachtes Ziel treffen. „Das kann ein Baum sein, ein Denkmal, eine Bank“, erklärt Janet, die ihre Freundinnen mit dem Crossgolf-Virus infizierte.

Es begann bei einem gemeinsamen Zelturlaub, zu dem jede ihr Lieblingssportgerät mitbringen sollte. Baseball und Boule wurden gespielt und an einem Nachmittag eben auch Crossgolf. „Fünf Mädels, ein Schläger, jede Menge Spaß. Ein Papierkorb war das Ziel“, erinnert sich die 24-jährige Biologiestudentin Annekathrin. „Einmal hatte ich den Ball perfekt getroffen. Das war der Moment, der mir den Kick gegeben hat. Dieses Gefühl wollte ich wieder haben!“

Heute sind die Fünf ein richtiges Team. „Girls Crossing“ nennen sie sich und neue Mitspielerinnen sind jederzeit willkommen. „Wir sind das einzige Crossgolf-Damen-Team in Deutschland“, sagt Annekathrin. Bei Wind und Wetter: Regelmäßig treffen sich die Freundinnen auf der Peißnitz und trainieren. Ihr Golfbag und Markenzeichen ist ein karierter Hackenporsche - eine Einkaufstasche mit Rädern, in der Bälle und Schläger verstaut werden. Inzwischen hat jede ihren eigenen Schläger, meist ein 7er Eisen oder ein abgerundetes Pitching Wedge für schwieriges Gelände, günstig beim Online-Auktionshaus für weniger als 15 Euro ersteigert. „Bei Turnieren darf man mit höchstens zwei Schlägern spielen“, erklärt Janet. „Das ist aber kein Problem, denn die Entfernungen sind nicht so weit.“

Gespielt wird mit Spezialbällen aus Kunststoff. „Die sind weicher als normale Golfbälle“, sagt Annekathrin. „Sicherheit geht vor beim Crossgolf!“ Darum hat sich das Team auch der Initiative „Forebild“ angeschlossen. Abgeleitet vom englischen Ruf „Fore!“, der ertönt, wenn jemand von einem fliegenden Golfball gefährdet ist, setzt sich die Initiative für verantwortungsbewusstes Crossgolf ein. „Dazu gehört auch, die Natur zu achten, die Spielflächen sauber zu halten und keinen Müll zu hinterlassen“, sagt Janet.

Girls Crossing, Deutschland einziges Crossgolf-DamenteamVier Mal haben sich Girls Crossing in diesem Jahr schon an Turnieren im Querfeldein-Golf beteiligt. Organisiert werden diese über eine Community im Internet: das CrossGolf-Portal.de. „Nur leider ist in unserer Region nicht so viel los“, bedauert Janet. „Darum müssen wir vor jedem Turnier überlegen, ob es überhaupt finanzierbar ist.“ Im Oktober waren sie als VIPs zu einem Crossgolf-Event nach Hannover eingeladen. „Wir haben schon einen Mädels-Bonus“, sagt Janet. „Aber nur wenn es um Hilfe und Unterstützung geht. Das Ziel treffen müssen wir genauso wie die Jungs.“ Dass Girls Crossing dies inzwischen ziemlich gut können, bewiesen sie zum Beispiel mit einem Sieg in Meisdorf sowie einem zweiten und dritten Platz bei den Harzer Open 2009. Im Harz soll für das Team auch das nächste Turnier stattfinden: Am 28. November ist der Night Cup in Thale geplant. Dort wird man das Spiel im Dunkeln verfolgen können: Es soll mit fluoreszierenden Bällen gespielt werden. Girls Crossing sind sich einig: „Wir sind dabei und lassen Golf-Kometen fliegen.“


Die Mannschaft und mehr Infos zu Crossgolf im Netz:

www.girlscrossing.de.ms

www.crossgolf-portal.de

(veröffentlicht in der Mitteldeutschen Zeitung, 23.11.2009)

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